Leimer Straße Nord = Fahrrad-Straße…?

Und die Fußgänger?!

Bericht: E. Wolfin

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Im Artikel der RNZ 20.09.2017 Auf Fahrrad-Straßen fährt es sich sicherer werden die Vorteile für Radfahrer in den Vordergrund gestellt. Aber wie ist mit den Fußgängern?

Die geplante Einrichtung einer Fahrrad-Straße in der Leimer Straße schlägt mittlerweile hohe Wellen. Zumal diese Maßnahme trotz einiger kritischer Punkte in die Kategorie „zeitnahe Umsetzung“ eingestuft wurde und prioritär behandelt werden soll.


Im nördlichen Bereich der Leimer Straße (Abschnitt a zwischen Bierhelderweg und Burnhofweg) hat das Planungsbüro VAR offenbar nicht genauer hingeschaut - und diesen Bereich als „geeignet“ eingestuft (siehe Machtbarkeitsuntersuchung 03.05.17, S. 49, Heidelberg Machbarkeitsstudie Fahrradstraßen.).

Und dies trotz bestehender städtischer Planungen für 2018, genau hier eine durchgängige Mischverkehrsfläche zu realisieren (u.a. aufgrund der geringen Straßenbreite), um folgendes zu erreichen:

  • Verkehrstempo reduzieren (Einhaltung Tempo 20!)
  • Sicherheit insbesondere für Fußgänger erhöhen
  • Gegenseitige Rücksichtnahme und Gleichberechtigung

Deshalb hier „keine Vorfahrt für Radfahrer“

Die gleichberechtigte Mischverkehrsfläche „nördliche Leimer Straße“ passt mit einer Fahrrad-Straße (bei der 2 Radfahrer nebeneinander fahren dürfen) definitiv nicht zusammen. Am Beispiel der Plöck wird deutlich, dass manche Radfahrer in Fahrrad-Straßen offenbar dazu neigen, Fußgänger hier eher als „rücksichtslose Störenfriede“ zu empfinden (Leserforum zum o.g. Artikel, RNZ 20.09.17):

Kartoffelsalat (26.09.17): Es ist eine Straße für Radfahrer. Und die haben auch noch Vorrang. Fußgänger sind oft rücksichtslos.
Die treten ohne zu schauen auf eine Straße oder laufen sogar darauf, ohne zurück zu schauen, ob sie gerade den Verkehr behindern.

Aboriginal (26.09.17): Fußgänger haben wiederum auf der Straße genau so wenig zu suchen wie Autos auf dem Gehweg: Nur in Ausnahmen zur Querung und das mit großer Vorsicht.
Zahlreiche Fußgänger missverstehen jedoch den Status "Fahrradstraße" als Freischein für die Benutzung der Fahrbahn ohne jede Rücksicht auf den Fahrzeugverkehr

Z.T. „bedingt geeignet“… - aber trotzdem „zeitnahe Umsetzung“?

Grundsätzlich gibt es aus Sicht des AK Verkehrssicherheit und Sanierung Rohrbach-Ost keine generellen Einwände gegen die Einrichtung einer Fahrrad-Straße Richtung Leimen.

Aber es muss bei der Umsetzung genau hingeschaut werden, „wo es passt und wo nicht“ (einige Bereiche sind auch aus Sicht des Planungsbüros VAR nur bedingt geeignet). Die Einschätzung des Planungsbüros VAR müsste aus unserer Sicht insbesondere in folgenden Abschnitten der Leimer Straße wie folgt korrigiert werden:

  • Bierhelderweg – Burnhofweg: à keinesfalls geeignet (demnächst Mischverkehrsfläche)
  • Burnhofweg – Friedrich-Weinbrenner-Straße: à nicht geeignet (schmale Bürgersteige)

Und man muss den Radverkehrsfluss stadtauswärts in die Überlegungen zur Leimer Straße mit einbeziehen:

  • Im verkehrsberuhigten Bereich vor der Eichendorffschule sind Radfahrer häufig mit Tempo 20 unterwegs; hier muss gegengesteuert werden
  • Die obere Rathausstraße soll demnächst umgestaltet werden, auch hier gibt es problematische Bereiche für den Fuß- und Radverkehr

Bürgerbeteiligung statt Schnellschuss

Zu Recht fordert nicht nur der Stadtteilvereinsvorsitzende Hans-Jürgen Fuchs eine Bürgerbeteiligung zur Fahrradstraße, insbesondere die Beteiligung des Bezirksbeirates Rohrbach.

Die geplante Mischverkehrsfläche Leimer Straße Nord wurde mit intensiver Bürgerbeteiligung durchdacht und geplant. In diesem kritischen Bereich kann und darf jetzt nicht im Hopplahopp-Verfahren eine Fahrradstraße „von oben verordnet“ werden.

Weitere Hintergründe und Details

Siehe hierzu nachfolgend den (mit besonderem Focus auf die Leimer Straße gekürzten) Auszug des Artikels vom 25.09.2017 von Hans-Jürgen-Fuchs, Stadtteilvereinsvorsitzender Rohrbach:

 

 

 

Fahrradstraße Leimer Straße? Keine gute Idee?

Von Hans-Jürgen Fuchs

Die Stadt Heidelberg beabsichtigt, nach der Plöck weitere Straßen in Heidelberg zu Fahrradstraßen zu machen und damit den Radverkehr sicherer, schneller und attraktiver zu machen…

[In Rohrbach wird] nur die Strecke Veit-Stoss-Straße/Turnerstraße zwischen Fichtestraße und Römerstraße als „geeignet” für eine Fahrradstraße eingestuft, alle anderen Rohrbach Strecken gelten als „bedingt geeignet”. Das hängt vor allem mit den Fahrbahnbreiten zusammen.

Trotzdem soll die Leimer Straße prioritär umgesetzt werden…

Was würde das konkret bedeuten?

  • Die gesamte Leimer Straße vom Burnhofweg bis an die Leimer Grenze würde Fahrradstraße.
  • Zwischen Bierhelderweg und Burnhofweg bliebe es bei Tempo 20.
  • Zwischen Burnhofweg und dem Ortsausgangsschild Heidelberg-Rohrbach bliebe es bei Tempo 30.
  • Zwischen dem Ortsausgangsschild Heidelberg-Rohrbach und der Leimer Grenze dürfte ebenfalls nur noch Tempo 30 gefahren werden (bisher: 100/50 km/h).

Was könnte es auch bedeuten?

  • In den engen Abschnitten der Leimer Straße, zwischen Bierhelderweg und Friedrich-Weinbrenner Straße könnte sich die Situation der Fußgänger noch mehr verschlechtern, denn viele Radfahrer würden die Fahrradstraße sicher als „ihre Straße” ansehen. Schließlich ist das Ziel der Fahrradstraße ja die Bündelung und Beschleunigung des Radverkehrs.
  • Sollte die Stadt zudem die Leimer Straße durchgehend zur Vorfahrstraße machen, würde das nicht nur den Fahrradverkehr beschleunigen, sondern auch die Autos, die derzeit stadtauswärts noch stark durch die Rechts-vor-Links-Regelung ausgebremst werden.

Fazit

Das, was am 18. August in der Rhein-Neckar-Zeitung stand, stimmt nicht in jeder Hinsicht. Die RNZ hatte geschrieben das die Einführung einer Fahrradstraße auf der Leimer Straße nur dann möglich sei, wenn durchgängig Tempo 30 eingeführt wird. Die Machbarkeitsunter­suchung und in der Informationsvorlage der Stadt Heidelberg für den Stadtentwicklungs- und Verkehrsausschuss gibt das jedoch nicht her. Hier ist nur davon die Rede, dass maximal Tempo 30 eingehalten werden muss. Für den engen Bereich der Leimer Straße soll, das ist dezidiert so genannt, Tempo 20 beibehalten werden.

Das ändert allerdings nichts an unserer Kritik an dem Teil der Fahrradstraße zwischen Bierhelderweg und Friedrich-Weinbrenner-Straße. Wir fordern seit vielen vielen Jahren, die Verkehrssicherheit in der Leimer Straße zu verbessern. Die unbefriedigende Situation wurde im Rahmen des Sanierungsgebiets Rohrbach und den in diesem Zusammenhang veranstalteten Runden Tischen im Stadtteil diskutiert.

Auch der Stadtteilverein, unterstützt durch engagierte Rohrbacher Bewohnerinnen und Bewohner hat sich mit der Verkehrssituation und Gestaltungsmöglichkeiten zur Erhöhung der Verkehrssicherheit in der Leimer Straße beschäftigt und einen Vorschlag zur künftigen Umgestaltung des Straßenraums eingebracht.

Als Ergebnis wurde festgehalten und vom Gemeinderat am 02.12.2010 beschlossen, dass die Leimer Straße als Maßnahme der Prioritätenstufe 2 und 3 eingestuft und die Herstellung eines durchgängig benutzbaren, barrierefreien Gehwegs empfohlen wird. Diese Empfehlung wurde 2016/2017 aufgegriffen und nach enger Abstimmung auch mit dem Stadtteilverein ein Vorentwurf für einen Umbau der Straße erstellt, in dem Umsetzungsmöglichkeiten geprüft wurden.

Dabei wurde festgestellt, dass die in der Leimer Straße vorhandene Straßenraumbreite die Anlage eines ausreichend breiten Gehweges nach den Richtlinien zur Anlage von Stadtstraßen nicht zulässt. Stattdessen schlug die Verwaltung vor, eine Mischverkehrsfläche ohne Bordsteine herzustellen, in der alle Verkehrsteilnehmenden den gesamten Straßenraum gleichberechtigt nutzen. Dieser Vorschlag wurde sowohl vom Rohrbacher Bezirksbeirat, als auch vom Gemeinderat beschlossen und soll nun umgesetzt werden.

Der Vorschlag ist ein Kompromiss. Denn natürlich gibt es Leute, die am liebsten alle Autos aus der Straße verbannen würden und auf der anderen Seite Leute, die möglichst ungestört und flott mit ihrem Auto durch die Straße kommen wollen. Der Vorschlag der Verwaltung, der auch mit dem Verkehrsmanagement abgestimmt ist, sieht eine Lösung vor, die für den Teil des engen Bereichs der Leimer Straße für den ein Umbau ansteht, angemessen ist.

Trotzdem ist diese Lösung nur dann sinnvoll und schützt die berechtigten Interessen aller, auch die der Fußgänger, wenn alle Verkehrsteilnehmer aufeinander Rücksicht nehmen und sich entsprechend langsam und vorsichtig bewegen.

Die Überlegungen, die Leimer Straße zur Fahrradstraße konterkariert nun aber diese Planungen. Sicher stimmt es, dass Fahrradstraßen die Sicherheit der Radfahrer erhöhen, aber ihr Hauptzweck ist es, das Radfahren attraktiver und schneller zu machen. Auf Fahrradstraßen sind Radfahrer bevorrechtigt, Autos und Fußgänger müssen sich unterordnen, Fußgänger den Gehweg benutzen. Dieser, der Gehweg, ist aber weder derzeit noch in der umgebauten Leimer Straße vorhanden.

Auch wenn Fahrradstraßen an sehr vielen Stellen eine äußerst sinnvolle Einrichtung sind, im nördlichen Teil der Leimer Straße würde die Umsetzung der Pläne zu einer Verschlechterung der Situation für die Fußgänger führen.

Vollständiger Artikel mit zusätzlichen Hintergrundinformationen: www.stadtteilverein-rohrbach.de/index.php/fahrradstrasse-leimer-strasse.html

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