Erste Saalrevue im Roten Ochsen

17.10.2001 14:32 von Hans-Jürgen Fuchs

Subba reagiert

Es begann mit dem Anfang. Und endete mit der Zugabe. Wie es sich gehört. Dazwischen lagen Spiel, Spaß und Spannung. Zwei Stunden lang.

Doch zurück zum Anfang. Da war auch bei der Saalrevue das Wort. Und die Grammatik, die schräg daher kam wie die Musik der KaSaalPelle. Schräg? Nun so mag es jenen erschienen sein, deren Bildung Lücken in zentralen Bereichen aufweist. Wer "Das Handbuch der 1001 Tempusbildungen für den Reisenden durch die Zeit” nicht gekennt habt, konnte den Ernst des Gesagten nicht recht gewürdigt sein! Wissenden war jedoch sofort klar: "Wir sind, wenn schon nicht im Restaurant am Ende des Universums, so doch immerhin in der "Kneipe im Zentrum Rohrbachs”. Und so weit ist das ja nicht voneinander entfernt.

Nach dem Anfang kam der Hauptteil und dann der Schluss. Und dazwischen kamen Musiker/innen, Sänger/innen, Schausteller/innen und Kömödiant/innen und immer wieder Max Nix Greger. Überhaupt hießen alle Greger: George Dabblju Greger, Wieness (Venus) Greger… Allerdings haben wir den Sohn von Max Greger vermisst. Den mit den langen Haaren – "aber gepflegt sind die!”, sagte meine Mutter immer. Ganz im Gegensatz zu denen von Mick Jagger. Aber das tut hier nichts zur Sache.

Wir waren bei der »Saalrevue« im Roten Ochsen und bei Max Nix. Der konnte auch zaubern. Jedenfalls behauptete er das. So richtig beurteilen kann ich das aber nicht, denn die Tricks waren mir zu hoch. Und Max Nix lenkte immer ab. Aber egal, alle haben gelacht ("Subba reagiert”) und die Stimmung ging gleich hoch. Max Nix war ein echter Stimmungskanoniker und außerdem konnte er verkehrt herum Tuba spielen!

Dann war da noch Luis Greger, der Jodelweltmeister, dessen Leistungen Höhen erreichten, zu deren Beschreibung mir einfach die Worte fehlen. Zum Schluss musste er sogar von der Bühne gezerrt werden, weil sonst die Damenwelt reihenweise in Ohnmacht gefallen wäre. Und einige Herren auch. Georg Dabblju und Wieness führten derweil im Hintergrund eine Art archaische Tanzperformance auf, die tief ins kollektive Unterbewußtsein rührte.

Überhaupt Winess. Wie sagte mein Gegenüber, der geschätzte Herr Kaiser von der Hamburg-Mannheimer: "An der Brille muss sie noch etwas arbeiten, aber dann kann sie sogar Nana Mouskouri in den Schatten stellen!”.

Und die Artist/innen dürfen auch nicht unerwähnt bleiben. All jene Sängerinnen, Diabolo-Virtuosen, diabolisch-im-Dunkeln-mit-leutenden-Bällen-jonglieren-Könnenden, Einrad-Fahrerinnen etc.. Genial. Und dann die Kellnerin (auch eine Greger?). Die, die in die angespannte Prä-Jongleuse Dunkelheit rief "Wemm is die Schorle?”. Oh treffsichere Sprachgewalt!

Die »Saalrevue« war auch ein Festival der Kulturen. Gewußt haben wir es schon immer: Ohne Ausländer wäre der Circus, wären Varieté und Comedy echt aufgeschmissen. Von überall her kamen auch diesmal die kleinen und großen Künstler/innen. Einige aus dem Zentrum, aber genauso viele, wenn nicht mehr von der Peripherie oder sogar von ganz außerhalb. Man sah sogar Weststädter und Altstädter: Multikulti in Vollendung. Nur das mit dem "Gefangenenchor aus Heidelberg Mitte” mag ich nicht recht glauben. Zum einen haben Gefangene keine Anzüge und Fliegen an, sondern so lustige gestreifte Joggingsachen, zum anderen kenne ich den Jörg. Und den sehe ich oft frei herumlaufen. Vielleicht ein Freigänger?. Jedenfalls zieht der jetzt in die Kerwe-borscht’schen "Hasenställe”. Dann ist er gar kein Ausländer mehr! Auch egal. Die Gefangenen sangen, wie es sich gehört. Zum Beispiel von den sieben Brücken, über die sie gehen müssen. Wie denn, wenn der Rohrbach verdohlt ist? Aber vielleicht hat das Lied ja auch ein Neuenheimer geschrieben. Der muss es dann bald umschreiben: "Über sieben Brücken und durch eine Anzahl von Tunneln…” Bloß reimt sich das dann nicht mehr so gut. Außerdem haben die Gefangenen zwar herrlich gesungen, aber den Text haben sie nicht so gut gelernt gehabt. "Manchmal bin ich schon am Morgen müd‘ und dann such ich Trost bei meinem Glied” reimt sich zwar, aber ob das das richtige Liedgut für einen Schulförderverein ist?

Dann war aber leider auch schon bald Schluß. Mit "es war uns so wunderbar, dass Ihr alle gekommen ward!” verabschiedete sich das erschöpfte Ensemble. Das Publikum im übervollen Roten-Ochsen-Saal war auch erschöpft. Zu erschöpft um auszurufen, was eigentlich gehabt gemusst sollen: "Es hat uns so gewundertbart, es soll uns sein bald wieder viel Vergnügen!”

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