Albert Fraenkel: Ein Arztleben in Licht und Schatten

08.10.2004 11:06 von Hans-Jürgen Fuchs

Veranstaltung der Thoraxklinik

Zu Ehren des 1938 verstorbenen Arztes und ehemaligen Leiters der damaligen Tuberkuloseklinik Albert Fraenkel veranstaltete die Thoraxklinik eine Tagung, verbunden mit der Enthüllung einer Büste des Arztes im Garten der Klinik. Dr. Joachim Haun, Geschäftsführer der Thoraxklinik,
begrüßte besonders die anwesende Enkelin und zwei Enkel von Albert Fraenkel. Er fragte nach dem Sinn dieser Ehrung, und meinte, dass zum einen die Thoraxklink damit ihre Vergangenheit entdecke, erarbeitete und bewahre, ihre 100-jährige Geschichte. Zum anderen sei diese Geschichte auch Verpflichtung und Orientierung für die heutige Unternehmenskultur: Das Ziel sei "Große Medizin für die Patienten". Dr. Haun dankte den Mitarbeitenden an der Ehrung und an der Erstellung der neu erschienenen Biografie, vor allem Michael Ehmann, für ihre Begeisterung und ihr Engagement.

"Das klingt ja fast nach Familienunternehmen", begann OB Beate Weber ihr Grußwort. Sie nannte Fraenkel eine herausragende Persönlichkeit unserer Stadt. "Stadt" sei nicht nur eine Ansammlung von Gebäuden, sondern vor allem auch die Menschen, die sie prägen. Beate Weber erinnerte an an die Vertreibung Fraenkels aus seinen Ämtern. Fraenkel starb 1938 und konnte nicht im nichtjüdischen Teil des Bergfriedhofs beerdigt werden, da die damalige Heidelberger Stadtverwaltung dies verhinderte.

Dr. Joachim Haun verlas die Grußworte des erkrankten Aufsichtsratsvorsitzenden der Thorax, Dr. Winfried Haible. Er empfinde, so Haible, eine Ambivalenz, wenn er an Fraenkel denke: An die Leistungen, die er vollbrachte und den Undank, den er nach 1933 erntete. Fraenkel wurde auf dem Höchststand seines beruflichen Wirkens aus dem Beruf getrieben: 1928 zum ärztlichen Direktor der damaligen Tuberkuloseklinik berufen, hoch gelobt, wurde er bereits 1933 gekündigt, weil Jude war. Und das obwohl er eigentlich nach dem gültigen Arbeitsrecht unkündbar gewesen wäre. Es war eine einstimmige Entscheidung im Verwaltungsrat der LVA. Die Täter wurden nie zur Rechenschaft gezogen.

Etwa 1948. Mein Vater und meine Mutter vor der Rohrbacher Klinik. Vater wurde als Tuberkulosepatient geheilt.

Der ärztliche Direktor der Thorax, Prof. Dr. Peter Drings, erinnerte daran, dass Albert Fraenke selbst an Tuberkulose erkrankt gewesen war, aber dank seins starken Willens genesen konnte. Fraenkel war zunächst Arzt in Badenweiler und gründete dort zwei Sanatorien. Sein größter medizinischer Erfolg war die Entwicklung der intravenösen Strophantintherapie für Herzkranke: "Für Kranke wie eine Wunderkur!". Vielen Menschen rettete sie das Leben oder erleichterte es ihnen. Albert Fraenkel wurde stark unterstützt von Ludolf von Krehl, der ihm eine Station seiner Klinik für einen Test zur Verfügung stellte.

Prof. Dr. Drings

Albert Fraenkel war ein Gegner der existierenden Heilstätten für Tuberkulosekranke, da sie nicht präventiv wirkten. Er forderte soziale Fürsorge und Hygiene und die sofortige Reaktion bei Erkrankungen. Es sollten Spezialkliniken errichtet werden. In der Tuberkuloseklinik Rohrbach wurden Kranke aller Stadien behandelt. Wenn die Krankheit früh behandelt wurde, konnten Erkrankte häufig genesen und wieder in die Erwerbstätigkeit entlassen werden. Albert Fraenkel leistete großes in seiner Zeit in der Rohrbacher Klinik. Doch das Nationalsozialistische Regime und seine Helfer entließen und entehrt ihn. "Sein Tod 1938", so Prof. Dr. Drings "bewahrte ihn möglicherweise vor Schlimmerem..."

Noch verhüllt: Die Büste (links)

Vor der Enthüllung der von Helmut Heinze gestalteten Büste Fraenkels führte Dr. Heiner Protzmann, ehemaliger Direktor der Skulpturensammlung staatlichen Kunstsammlungen Dresden, in das Werk ein. Reglos klar wie aus der Zeit des Perikles sei die Büste, spiegele eine asketische Enthaltung. Eine Beschreibung, die in ziemlichem Kontrast zur Person des Künstlers stand. Dieser meine zunächst, er habe eigentlich gar nicht reden wollen, "das Ding steht hier und fertig." Doch dann sprach er doch über "diese lustige Wiese" und den Regen und sein Werk.

Die Biografie: Albert Fraenkel: Ein Arztleben in Licht und Schatten, 1864-1938
ist im Buchhandel erhältlich. Sie hat 412 Seiten mit zahlreichen Abbildungen.

Ecomed Verlagsgesellschaft
ISBN 3-609-16260-0, 32,-

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